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Chronik

Interview

 125 Jahre Pfarr-Cäcilien-Verein

ein Gespräch mit dem Vorsitzenden Berthold Kuhn

Herr Kuhn: Wie kamen Sie zum Cäcilienverein?

Ich bin gleich nach Ende der Volkschule, mit einigen Freunden, dem Verein beigetreten. Mein Vater, damals Vorsitzender, war über den Nachwuchs hocherfreut.

Welchen Beruf üben Sie aus und wie konnten Sie Ihre Ehrenamt zeitlich bewältigen?

Heute bin ich Rentner. Davor Elektrotechniker bei den TWL-Ludwigshafen. Zur aktiven Zeit waren die berufliche Belastung und die Vereinsarbeit nicht einfach zu bewältigen.

Wie kam es vor 125 Jahren zur Gründung des Cäcilienvereins?

Vermutlich war die Einführung eines neuen Gesangbuches eine der Ursachen. Die Gläubigen mussten sich mit lateinischen Texten in Choralmessen anfreunden. Für den Pfarrer eine schwierige Aufgabe, für die er Hilfe brauchte. So gründete am 14. Februar 1889 Pfarrer Franz Haffner den Pfarr-Cäcilien-Verein.  Insgesamt 130 passive oder aktive Mitglieder konnten gewonnen werden. Dirigent und Organist war, wie damals üblich, ein Lehrer, Johann Latour.

Waren, so wie heute, die Frauen in der Überzahl?

Eine interessante Frage! Vom Anfang bis 1933 war der Chor den Männern vorbehalten. Die Machtergreifung  der NSDAP führte dazu, dass immer weniger Männer den Chor weiterhin unterstützten, da eine aktive Teilnahme mit erheblichen Nachteilen verbunden war. Deshalb entschloss man sich die Jungfrauenkongregation  in den Chor einzubinden. Diese unterstützte  fortan die Kirchenmusik und so entstand der gemischte Chor. Was aber auch zur Folge hatte, dass die jungen Frauen, sobald sie verheiratet waren, aus dem Chor ausschieden. Erst im Jahr 1963, als Maria Magin heiratete und weiterhin im Chor singen wollte, hatte man diese Regelung geändert.

125 Jahre, eine lange Zeitachse. Welche  Männer haben die Vereinsgeschichte beeinflusst oder geprägt?

Johann Latour  und Pfarrer Grentz , die oft sehr unterschiedlicher Meinung waren, beeinflussten die Vereinsarbeit ungünstig. So kam es 1905 dazu, dass Pfarrer Grentz den Vorsitz niederlegte und austrat. Danach gab es teilweise einen weltlichen und einen kirchlichen Chor. Ab 1912 ruhten die Aktivitäten gänzlich.  Erst 1924 konnte Pfarrer Alfons Schäfer zu einer Gründungsversammlung aufrufen und damit die Wiedergründung des Pfarr-Cäcilien-Vereins anstoßen.

Naturgemäß prägten vor allem die Vorsitzenden das Vereinsleben. 1927 führte August Magin den Verein 10 Jahre lang. Über die Kriegsjahre hatte Heinrich Kunz die Verantwortung für den Cäcilienverein. Weitere langjährige Vorsitzende waren Johannes Kuhn und Gerhard Magin, bis heute Ehrenvorsitzender.

Für die Gestaltung  der musikalischen  Arbeit waren die Dirigenten von besonderer Bedeutung. Ich möchte einmal die auffälligste Persönlichkeit nennen: Oswald Kaiser. Er war ein begnadeter Tenor und Chorleiter. Er leitete den Chor ab 1938 für 36 Jahre!

Herr Kuhn, haben Sie die Frauen vergessen?

Nein, sie spielen jedoch erst in der jüngeren Vereinsgeschichte eine prägende Rolle. Ab 1995 betreute Stefanie Kohl als Dirigentin den Chor. Ihr folgte 2001 die aktuelle Chorleiterin Angelika Grothe. Beide haben schon jetzt sichtbare Spuren im musikalischen Schaffen des Vereins erzeugt.  

Wie war das Verhältnis zur Geistlichkeit im Laufe der Geschichte?

Als Präses des Cäcilienvereins hat der jeweilige Gemeindepfarrer, für die musikalische Gestaltung der Gottesdienste, immer das letzte Wort. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, war die Zusammenarbeit von gutem Einvernehmen gekennzeichnet. Die Pfarrer waren oft auch treibende Kraft  und froh über den Dienst des Kirchenchores.

Wie überlebte der Verein den ersten und den zweiten Weltkrieg?  

Während  des ersten Weltkrieges war der Verein nicht aktiv, wie ich bereits erwähnte. Die Kriegsereignisse 1939 bis 1945 brachten den Probenbetrieb fast zum Erliegen.  An den Proben konnten häufig nur 2 oder 3 Männer teilnehmen. Es fanden keine Neuwahlen statt. Zu Weihnachten schickte der Verein den Mitgliedern ein Paket an die Front.

Welche Höhepunkte im musikalischen Schaffen des Kirchenchores fallen Ihnen ein, wenn Sie an seine 125-jährige Geschichte denken?

Ich möchte zunächst die hohen Festtage im Kirchenjahr mit den Auftritten des Chores  nennen. Zum 110. Jubiläum führte der Chor das Te Deum von Antonin  Dvorak  auf.   Carmina Burana von Carl Orff und Magnificat von John Rutter,  in Zusammenarbeit mit dem Kirchenchor St. Jakobus  Schifferstadt gestaltet, waren für mich eindeutig  sehr erfolgreiche Veranstaltungen.

Welche Highlights konnten Sie, in Ihrer Zeit als Vorsitzender, mitgestalten?

Wie bei jedem anderen Verein, spielt bei uns die Geselligkeit auch eine wichtige Rolle. Unser jährliches Sommerfest, die närrische Singstunde, das Schlachtfest und die Bewirtung nach dem Fastnachtsumzug wären da zu nennen. Dazu kommt eine mehrtägige Fahrt, der Sängerausflug  und nicht zuletzt das Patronatsfest mit Ehrungen.

Herr Kuhn, letzte Frage: Wie sehen sie die Zukunft Ihres Vereins in unserer säkularisierten Welt? 

Trotz für die Kirchen negativer Umwelteinflüsse sehe ich zuversichtlich nach vorne. Wir haben eine sehr gute Dirigentin, die sich besonders in der Jugendarbeit engagiert. Mit regelmäßig  rund 40 Probenteilnehmern sind wir zahlenmäßig und qualitativ auf gutem Weg und versuchen, gegen den Trend rückläufiger Mitgliederzahlen bei allen Vereinen und abnehmender Teilnahme am Gottesdienst anzukämpfen.

 

Bilder

Chorbild aus dem Jahr 1900

Jubiläumsgala 1250 Jahre Mutterstadt am 1.4. 2017

Die beiden Kirchenchöre von Mutterstadt

Alle Mutterstadter Chöre beim Schlusslied